Bettina Schuler
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Erschienen in ray 12+1/2007
Am anderen Ende der Brücke


Von Wittenberge nach Hannover, oder: Wie Yella über den Einbruch der Vergangenheit in die Gegenwart, die offenen Gesten des Kapitalismus und den heimlichen Todestraum einer jungen Frau erzählt.

Yella hat ihr altes Leben hinter sich gelassen. Das sieht man schon an der Art, wie sie durch die Straßen ihrer alten Heimatstadt Wittenberge stolziert: Schnell, zielstrebig und ohne sich umzublicken, eilt sie durch die Gassen, um auf niemanden aus ihrer Vergangenheit zu treffen. Selbst ihren Mann Ben (Hinnerk Schönemann) versucht sie zu ignorieren. Nachdem dieser die gemeinsame Firma in den Konkurs getrieben hat, will Yella nichts mehr von ihm wissen und ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Ein neuer Job in Hannover scheint ihr die Chance zum finanziellen Aufstieg zu bieten, und weder die Liebe ihres Mannes noch die Einsamkeit ihres Vaters können sie davon abhalten, diese einmalige Gelegenheit wahrzunehmen. Ben will sie ein letztes Mal noch zum Bahnhof begleiten, und Yella willigt ein, der alten Zeiten wegen. Doch ihr Aufbruch in ein neues Leben wird zum Abschied, denn Ben steuert den Wagen statt zum Bahnhof in die Elbe. Yellas Reise scheint beendet – und geht doch gerade erst los. Denn anstatt im Sterben ihr Leben im Zeitraffer an sich vorbeiziehen zu sehen, entsteigt Yella mit nassen Kleidern wieder dem Fluss und erwischt sogar noch den Zug nach Hannover. Doch dort angekommen, beginnt sie ein Leben, das ebenso trostlos ist wie ihr bisheriges: Die Firma, in der sie arbeiten sollte, ist bankrott gegangen, ihr alter Chef ein notgeiler Schwätzer, der sich mehr für ihren Körper als für ihre beruflichen Qualifikationen interessiert. Erst als ihr der smarte Philipp (Devid Striesow), der sein Geld als Risikokapitalmanager verdient, einen Job anbietet, scheint sich ihr Traum vom kapitalistischen Glück zu verwirklichen. Doch genau in dem Augenblick, in dem sie sich am Ziel ihrer Träume wähnt, holt sie die Gegenwart auf den Boden der Tatsachen zurück.


Bonnie und Clyde beim Pokern

Yella ist bereits die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Christian Petzold und Schauspielerin Nina Hoss, die für ihre Darstellung der Yella heuer auf der Berlinale den Silbernen Bären als Beste Darstellerin erhielt. Bereits in Toter Mann (2002) und Wolfsburg (2003) war Hoss als kühle, schöne Frau zu sehen, die auf Rache sinnt. Doch dieses Mal nicht für den Tod ihres Kindes wie in Wolfsburg oder den ihrer Schwester wie in Toter Mann, sondern für ein Leben voller finanzieller Entbehrung, das ihr die Kapitalisten aus dem Westen bereitet haben und von denen sie sich ein Stück Glück zurück holen will. Koste es, was es wolle.

Inspiriert von Harun Farockis Dokumentation Nicht ohne Risiko (2004) und dank dessen Hilfe am Drehbuch zeichnet Petzold mit Yella ein dokumentarisches Porträt dieser im kapitalistischen Sinne erfolgreichen Menschen, die Erfolg über alles – selbst über die Liebe – stellen. Eine Haltung, regiert vom Streben nach Macht, die auch im Auftreten und der Artikulation erkennbar wird. Am deutlichsten ist dies an Yella selbst zu sehen, deren Blick im Verlauf des Filmes immer unnachgiebiger und deren Haltung immer gerader und verbissener wird. Auch ihr ehemaliger Mann Ben spürt diese Veränderung. "Du hast einen Job. Einen guten, einen richtig guten. Ich kann das sehen. Daran, wie du läufst", stellt er bei Yellas Ankunft in Wittenberge fest.

Im Gegensatz zu Ben ist Philipp ein selbstbewusster Macher, der weiß, was er will. Er ist der personifizierte Kapitalismus, dem für das Erreichen seiner Ziele jedes Mittel recht ist, selbst wenn es sich jenseits der Legalität bewegt. Er wird dabei von Petzold als smart, cool und attraktiv geschildert, als Mann, der auf Familie, Kinder und ein Haus im Grünen als Statussymbole keinen Wert legt. Beim kapitalistischen Pokern mitzubieten, das ist es, worum es Philipp geht. Wie leer diese Gesten des Kapitalismus sind, wird vor allem in einer Szene deutlich, in der er Yella bittet, ihm während des Meetings etwas zuzuflüstern, wenn er die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Was, sei völlig egal. Es sei bloß eine "Broker-Pose", welche die Anwälte in "beschissenen Grisham-Filmen" einnehmen würden, um ihren Gegner zu verunsichern. Yella spielt mit, der Trick funktioniert. Philipp und sie werden zu Bonnie und Clyde des Private-Equity-Geschäfts, die tun und lassen können, was sie wollen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Doch die Vergangenheit lässt Yella nicht los. Dieser Einbruch der Vergangenheit in die märchenhafte Traumwelt ist die Horrorfilm-Ebene, die Petzold in seinen Film einfließen lässt. Angelehnt an Ambrose Bierces Kurzgeschichte Ein Vorfall an der Owl-Creek-Brücke und den Horror-Klassiker Carnival of Souls (1962) von Herk Harvey greift Petzold den Albtraum aller Menschen auf: Schon tot zu sein, obwohl man sich noch am Leben wähnt. Diese grauenhafte Vermutung, die auch immer wieder Yella befällt, lässt Petzold vor allem über die Tonebene einfließen: durch Wassergeräusche, welche die Gespräche übertönen, Krähenschreie, die aus dem Nichts zu kommen scheinen oder durch Beethovens Mondscheinsonate, die im Allgemeinen häufig als Symbol für den Übergang vom Leben in den Tod  benutzt wird. Auch auf der Bildebene ist das Grauen zu spüren, ehemals vertraute, im Freud'schen Sinne "heimeliche" Dinge tauchen in einem neuen Zusammenhang auf und werden un-heimlich. Wie die Orange, die Yellas Vater ihr am Abschiedsmorgen schält, und die auch Philipp, als sie morgens neben ihm aufwacht, ihr anbietet.


Deutschland-Trilogie

Doch Petzold ist mit Yella nicht nur ein herausragender Film über die Gesten des Kapitalismus, sondern auch eine unheimlich märchenhafte Traumgeschichte gelungen. Zugleich komplettiert er mit diesem
Todestraum das Deutschlandbild, das aus seiner Gespenster-Trilogie Die Innere Sicherheit (2001), Gespenster und Yella entsteht. Waren es in Die Innere Sicherheit die Gespenster der RAF, welche die deutsche Gegenwart immer wieder einholen und das politische Geschehen bis heute prägen, so ist es in Yella die soziale Teilung Deutschlands in Ost und West, die trotz der Wiedervereinigung noch deutlich zu spüren ist. In Gespenster ist der Bezug zu Deutschland zunächst nicht so offensichtlich: Im ersten Moment scheint der Film bloß ein Drama über eine Mutter zu sein, deren Kind in einem Berliner Supermarkt entführt wurde. Doch auf den zweiten Blick eröffnet sich, welches Deutschlandbild Petzold hier durch die Wahl Berlins als Setting zeichnet: Petzold wählt eine Stadt, die sich ständig im Umbruch befindet und aus lauter Baustellen besteht. Eine Stadt ohne Mitte, ohne konkretes Stadtbild, die als neue Hauptstadt des wiedervereinten Deutschland als Symbol für die Suche nach einer neuen Identität des Landes steht. Auch die drei Frauen in Gespenster sind auf der Suche nach ihren Wurzeln – die Mutter Françoise (Marianne Basler) sucht ihre Tochter, Nina (Julia Hummer) ihre Mutter und Toni (Sabine Timoteo) eine beste Freundin.

Auf dieser Suche bewegen sie sich an Orten des Durchgangs: Bahnhöfe, Hotels oder Heime, die der französische Anthropologe Marc Augé einst als Nicht-Orte charakterisierte; Orte, die mono-funktional genutzt werden und denen es im Gegensatz zu traditionellen Orten an Geschichte und sozialer Bedeutung fehlt. Sinnentleerte Orte, die erst durch die Zuschreibung von Icons und Slogans mit Sinn gefüllt werden. Auch in Die Innere Sicherheit gibt es diese Nicht-Orte: das Hotel, aus dem die RAF-Familie fliehen muss, die leer stehende Villa, in die sich Jeanne (Julia Hummer) mit ihren Eltern vor der Polizei  versteckt, oder das Auto, mit dem sich das ehemalige Terroristenpärchen seit Jahren von einem Versteck zum nächsten bewegt. Mehr noch: Jeannes Eltern versuchen ihr ganzes Leben zu einem Nicht-Ort ohne Vergangenheit zu machen, um ihrem alten Leben zu entkommen. Auch Yella will ihre Vergangenheit hinter sich lassen und flüchtet in die Welt der Manager, deren Leben sich nur an Nicht-Orten abspielt. In Zügen, Hotels, Konferenzräumen. "Ich liebe dich", sagt Ben bevor er das Lenkrad herumreißt, und die beiden von der Brücke in die Elbe stürzen. Dass diese Liebe mehr wert ist als ihr Traum vom kapitalistischen Glück, erkennt Yella erst im letzten Moment.






Erschienen in ray 07+08/2010
Sympathy For The Devil


Zärtlich streichelt Lestat (Tom Cruise) die Ratte, die friedlich auf seinem Schoß sitzt, bis er ihr urplötzlich mit einer kurzen Geste das Genick bricht. Genüsslich lässt er ihr Blut in das Weinglas seines Gefährten Louis (Brad Pitt) tröpfeln, der gierig danach greift und hastig einen Schluck trinkt, um es dann angewidert abzusetzen. "Ich weiß," antwortet der versnobte Lestat mitleidig, "Sie werden viel zu schnell kalt." Vampire, die sich anstatt von Menschenblut von tierischem ernähren, das war 1994 als "Interview With The Vampire" in die Kinos kam noch ein Novum. Denn bis dato hatten sich ordentliche Vampire wie Christopher Lee oder der berühmt berüchtigte Bela Lugosi als Graf Dracula immer nur von einem ernährt: dem Blut ihrer menschlichen Opfer. Doch mit der Verfilmung des ersten Teils von Anne Rices zehnbändiger Romanserie "The Vampire Chronicles" hat mit Louis de Pointe du Lac ein völlig neuer Vampirtypus die Leinwand betreten: ein Untoter, der mit seinem Schicksal als blutsaugendes Ungeheuer hadert und wie ein Mensch von seinem Gewissen geplagt wird. Aus Respekt vor dem Leben versucht er sich anstelle von menschlichem von tierischem Blut zu ernähren. Doch im Gegensatz zu seinem Nachfolger Edward Cullen (Robert Pattinson) aus Stephenie Meyers Vampirzyklus, gelingt es ihm nicht dauerhaft, gegen seine Natur anzukämpfen. Und so kehrt er nach vier Jahren der Entbehrung zu seinem ursprünglichen Ernährungsverhalten zurück, obwohl sich nach jedem Biss sein Gewissen bei ihm meldet.
Damit ist Louis de Pointe de Lac der erste Vampir in der Filmgeschichte, der versucht, sich an den moralischen Werten der menschlichen Gesellschaft zu orientieren, obwohl sein ganzes Sein ein Affront gegen diese ist. Louis ist ein guter Vampir, der sich gegen die Amoralität seiner Natur wehrt, und an dessen Geschichte sich herrlich zeigen lässt, dass es möglich ist, seine inneren, bösen Triebe zu beherrschen. Wobei der Vampirtrieb nach Blut ganz klar als Bild für den menschlichen Sexualtrieb zu verstehen ist.


Vampirismus als Metapher für Sexualität

Schon von jeher wurde sowohl in der Literatur als auch im Film das Vampirbegehren nach Blut mit der sexuellen Begierde gleichgesetzt. Wobei der finale Biss als Bild für den irreversiblen Verlust der Jungfräulichkeit zu verstehen ist. Eine Analogie, die sich auch sehr schön in einer Szene aus "Interview With The Vampire" zeigt: In dieser räkelte sich eine junge Prostituierte genüsslich in den Armen des charmanten Lestat, während dieser sie in aller Ruhe aussaugt. Eine Szene, die sehr deutlich zeigt, wie leicht durch die Figur des Vampirs unter dem Deckmantel des Horrors explizite Sexszenen geschildert werden können, in die man zudem, dank der Brutalität der Vampire, ohne zu zögern sadomasochistische Elemente einfließen lassen kann.
Die Vampire selbst werden dabei gerne so wie Tom Cruise alias Lestat als charmante, gut aussehende Playboys charakterisiert, die ihre weiblichen Opfer, wenn sie erst von ihrem Blut gekostet hatten gnadenlos sterben lassen. Eine einfache Parabel für ein klischeehaftes Männerbild, nachdem der Mann, wenn er der Frau erstmal ihre Unschuld geraubt hat, sie links liegen lässt. Und das den Zuschauerinnen die biedere Moral mit auf den Weg gibt, dass es besser ist, sich für die Ehe aufzuheben, weil man sonst gesellschaftlich tot ist.
Eine veraltet, konservative Moral, die ebenfalls bei den Stehpenie Meyer-Filmen einen zentralen Aspekt darstellt, denn auch Edward will Bella erst beißen, wenn sie miteinander verheiratet sind. Und das, obwohl er sich wahnsinnig zu ihr hingezogen fühlt und sich nichts sehnlicher wünscht, als mit ihr ins Bett zu springen.
Das wird gleich zu Beginn von "Twilgiht- "Bis(s) zum Morgengrauen" sehr deutlich visualisiert, indem Edward Bella in der Schul-Cafeteria einen roten Apfel, das Urbild der Sünde, anbietet. Bella lehnt jedoch ab. Noch kann sie seinem Werben widerstehen. Was sich jedoch schlagartig ändert als sie erstmal von der Frucht der Lust gekostet hat, sprich Edwards Kuss erwidert hat. Denn einmal probiert ist ihre Leidenschaft entfacht und sie will immer mehr und es wird fortan Edwards Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass sie nicht zu weit gehen, damit Bella nicht ihr Menschsein, sprich ihre Jungfräulichkeit verliert. Eine Rollenverteilung, die sich durch alle Teile der Filmreihe zieht und die sehr deutlich das konservative und frauenfeindlichen Rollenmuster widerspiegelt, das in den Twilight-Filmen transportiert wird: Die Frau als der emotionale, schwächere Part innerhalb der Beziehung, die immer von dem Mann beschützt wird, der mit seiner Kraft und rationalen Überlegenheit die Situationen immer zum Guten wendet. Eben so wie Edward, der immer zur Stelle ist, wenn Bella sich mal wieder in eine gefährliche Situation katapultiert.


Vampire als Stellevertreter der Jugend

Er ist damit das komplette Gegenteil von den Vampiren, die in Joel Schuhmachers 80er Jahre Film "The Lost Boys", die ganze Stadt terrorisieren und es in vollen Zügen genießen, dass sie auf Grund ihres Schattendaseins ungestraft gegen alle Regeln verstoßen können. Mit ihren hoch toupierten Haaren, schwarzen Lederjacken und bauchfreien weißen T-Shirts erinnern diese weniger an Vampire, denn an Popstars aus einem New Wave-Musikvideo und bieten somit ein großes Identifikationspotential für die jugendlichen Zuschauer. Denn die Vampirgang um den coolen Obervampir David (Kiefer Sutherland) lebt genau jene Wildheit aus, die den Jugendlichen auf Grund gesellschaftlicher Konventionen verboten ist und die gemeinhin als böse verurteilt wird: Sie liefern sich mit ihren schnellen Motorrads riskante Rennen, trinken, rauchen und zelebrieren die notwendige Tötung ihrer Opfer mit einer sinnlosen Brutalität, aus der sie eine immense Lust ziehen. Ebenfalls ein Verweis auf die Gefahr von Sexualität, die, so suggeriert es diese Charakterzeichnung, zu einer Gefahr für andere werden kann, wenn man sie nicht unter Kontrolle hält.
Am Ende muss jedoch auch bei "The Lost Boys" die böse Gang sterben, das Mädchen wird von dem guten Jungen gerettet und bleibt aus Dank bei ihm. Denn die jugendlichen Zuschauer sollen ja auch verstehen, dass es sich lohnt, an den moralischen und gesellschaftlichen Werten festzuhalten
Bei den Twilight-Filmen wird diese konservative Message aus "Lost Boys" noch getoppt, in dem der Vampir, das Böse, sich gleich selbst unter Kontrolle hält und anstatt sich gegen die Gesellschaft zu wenden alles daran setzt, um dazu zu gehören. Er steht damit für den Jugendtypus der 10er Jahre, in denen die Jugendlichen nicht mehr so wie in den 80ern alles daran setzten, um sich sowohl äußerlich als auch innerlich von ihren Eltern abzusetzen. Und erst nach einer kurzen Phase der Rebellion bereit sind, sich in die Gesellschaft einzugliedern. So wie Michael (Jason Patric), der in "Lost Boys" mit seinem kleinen Bruder und der Mutter nach Santa Carla zieht und dort, fasziniert von der Wildheit der Vampirgang, alles daran setzt, um von dieser akzeptiert zu werden. Erst nach und nach registriert er, was hinter deren coolen Fassade steckt und entscheidet sich lieber für die Gesellschaft, als ein Outsiderleben zu führen.
Bei "Twilight", "New Moon" und "Eclipse" gibt es diesen Reifungsprozess nicht. Sowohl Bella als auch Edward haben sich nie innerlich von ihrer Familie distanziert, sondern immer versucht, alles so zu machen, wie es die gesellschaftlichen Konventionen vorsehen. Sie stehen damit als Symbol für die heutige Generation, die sich vor allem nur eins wünscht: dazugehören. Und die aus Angst vor dem sozialen Abstieg und dem Scheitern auf dem Arbeitsmarkt kein Zeit mehr haben, sich selbst zu finden und sondern gleich, von Anfang an, sich in die Gesellschaft und deren Anforderungen eingliedern müssen. Denn ansonsten fallen sie heraus.
Ebenso ergeht es Edward, der, wenn er rückfällig werden sollte und seinem natürlichen Vampirtrieb folgt, gegen den Friedensvertrag mit den Werwölfen verstößt, die darüber wachen, dass den Bewohner von Forks kein Leid geschieht. Er und seine Familie müssten dann nicht nur ihre Heimat Forks verlassen, um ihr Leben zu retten, sondern Edward hätte damit auch bewiesen, dass Vampire und Menschen nicht friedlich nebeneinander leben können. Er würde damit aus der Menschengemeinschaft geworfen werden und wäre ein noch größerer Außenseiter als er es durch sein Geheimnis eh schon ist. Und müsste sich zugleich eingestehen, dass sein Naturell das Böse und nicht das Gute ist.


Edward als Stellvertreter einer neuen, konservativen Generation

Edward ist somit ein Stellvertreter seiner Generation, die sich in wirtschaftlich unruhigen Zeiten und einer undurchschaubaren, globalisierten Welt nach veralteten traditionellen Werten sehnt, an denen sie sich orientieren kann. Eben genau jenen Werten, die Edward, der Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurde, mit in die neue Welt bringt.
Dazu passt auch das romantisierte Bild, das in "Twilight", "New Moon" und "Eclipse" von der Familie Cullen entworfen wird und Bellas sehnlichem Wunsch, endlich zu dieser eingefleischten Gemeinschaft dazu zu gehören. Nichts und niemand kann diese Familie auseinander bringen, sie halten immer zusammen, selbst wenn ein Familienmitglied eine fragwürdige Entscheidung trifft. So wie Edward, der sich mit Bella, einem Menschen, eingelassen hat und damit die ganze Familie in Gefahr bringt.
Dies wird in "Twilight" besonders deutlich als die Familie Cullen sich gegen zwei fremde Vampire wappnet, die Bella bedrohen und Rosalie (Nikki Reed), Edwards Vampirschwester wütend fragt, warum sie für Bella so eine Gefahr eingehen solle. Worauf Carlisle (Peter Facinelli), das Oberhaupt der Familie Cullen und der Erschaffer Edwards antwortet: "Bella gehört zu Edward. Sie ist jetzt ein Teil der Familie." Ein Satz, der keinen Widerspruch duldet.
Damit zeigt sich, dass der wahnsinnige Erfolg dieser Filme und Bücher nicht lediglich am Reiz des Schönlingsvampirs Edward und seinen übermenschlichen Fähigkeiten liegt. Sondern dass sich ein Großteil der weiblichen, jugendlichen Zuschauer solch einen klassischen männlichen Beschützer mit Machoallüren wünscht, der einen von der Stelle weg heiratet und einen auf Händen trägt. Ein trauriges Resumé, wenn man bedenkt, dass es in der ersten Folge der HBO-Serie "True Blood" die kesse Sookie (Anna Paquin), die den Vampir Bill (Stephen Moyer) vor dem Sterben rettet.


Eclipse, Fantasy-Drama, USA 2010, Regie: David Slade
Drehbuch: Melissa Rosenberg, Stephenie Meyer, Kamera: Javier Aguirresarobe, Schnitt: Nancy Richardson, Musik: Howard Shore
Kostüm: Tish Monaghan, Mit: Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner, Ashley Greene, Peter Facinelli, Nikki Reed u.v.m.
Verleih: Concord, 124 Minuten, eclipse.twilight-filme.de.